Katzen Transportbox und Medical Training: Deine Anleitung für stressfreie Tierärzt:innenbesuche
- Laura

- vor 11 Stunden
- 9 Min. Lesezeit

"Sie ist bei Tierärzt:innen immer so brav und lieb und lässt alles mit sich machen." - einer der gefährlichsten Irrtümer bei Besuchen in der Praxis.
Was viele Halter:innen als brav und lieb empfinden, ist in Wahrheit oft das genaue Gegenteil. Wenn Katzen komplett "einfrieren" und alles mit sich machen lassen, bedeutet das nicht, dass sie lieb und brav ist - es bedeutet, dass sie gerade Todesangst hat und mit ihrem Leben bereits abgeschlossen hat. Die vermeintlich ruhige Katze hat wahrscheinlich gerade ein traumatisches Erlebnis.
Nicht nur bei uns Menschen sondern auch bei Katzen kann Stress, der immer wieder kommt oder länger anhält, nachweislich das Immunsystem schwächen und Krankheiten begünstigen.
Nicht selten kippt dann auch zuhause die Stimmung. Die Katze wird unsauber, Aggressiv oder fängt an mit den anderen Katzen zu streiten. Wer glaubt eine Katze müsste einfach durch den Besuch in der Praxis durch, zerstört so Schritt für Schritt das das Vertrauen der Miez.
In dieser Katzen Transportbox und Medical Training Anleitung erfährst du, wie du Angst durch Kooperation ersetzt, warum das System um deine Katze herum die Hauptrolle spielt und wie du Besuche bei Tierärzt:innen nachhaltig entspannst.

Hey, ich bin Laura Berzins. Katzenverhaltensberaterin und Gründerin von Lauras Pfötchen.
Wir erziehen deine Katzen nicht um, sondern passen ihr System an.
Für den Frieden in allen 7 Katzenleben.
Inhaltsverzeichnis
Der Teufelskreis aus Angst, Stress und verpassten Notfällen
Dein Wohnzimmer ist leer. Deine Katze taucht tief unters Bett ab. Dann hast du sie, doch sie wehrt sich mit allen vier Pfoten an der Boxenöffnung. Vielleicht erkennst du dich gerade wieder. Für viele Katzenhalter:innen ist der Weg zu Tierärzt:innen ein Albtraum. Aus Verzweiflung schiebst du den Termin immer wieder vor dir her oder gehst nur hin, wenn deine Katze einen akuten Notfall hat, da du deiner Miez und dir den Stress ersparen willst.
Die bittere Konsequenz: Krankheiten werden oft viel zu spät entdeckt. Bis Katzen zeigen, dass sie heftige Schmerzen haben, ist es meistens schon zu spät. FORL zum Beispiel ist eine Zahnkrankheit, die rund jede zweite Katze betrifft. Diese muss nicht unbedingt von Außen sichtbar sein. Rund 90% aller Katzen ab 12 Jahren leiden unter Arthrose und sie springen trotzdem noch weiter. Es schleicht sich so langsam ein - bis du es merkst sind oft Jahre vergangen in denen deine Katze jeden Tag Schmerzen hatte.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind daher Pflicht!
Und wenn du dann doch mal hin fährst? Dann sind deine Katzen ja trotzdem noch gestresst. Nicht nur durch fehlendes Training, sondern auch durch dich. Durch Spiegelneuronen im Gehirn, lernen unsere Katzen uns nach zu imitieren. Sie erkennen, wenn du Stress hast und sind dadurch auch gestresst. Sie merken, wenn du dich merkwürdig verhältst und anders als sonst reagierst und handeln dementsprechend auch anders als wir hoffen.
Lerne deine Katze verstehen: Überforderung, Körpersprache und verdecktes Leiden
Wenn Katzen in der Box "durchdrehen" oder starr werden, reagieren sie aus einem ganz normalen Schutzreflex heraus. Je nach Persönlichkeit und Erfahrung der Katze, kann es ganz unterschiedlich ausfallen. Hierbei gibt es 4 Überlebensstrategien: Die sogenannten Fight, Flight, Freeze, Flirt. Bei Fight, kämpft deine Katze, bei Flight möchte sie flüchten, bei Freeze erstarrt sie und bei Flirt macht sie eine Art Übersprungshandlung - flirten. Diese 4 Überlebensstrategien können auch teilweise zusammen auftreten.
Übergriffiges Verhalten beginnt nicht erst mit einem Nackengriff. (Ja, diese Methode ist komplett veraltet. Katzen sind nämlich nicht nur Jäger sondern auch Beute und der Nackengriff impliziert den Griff eines Jagdvogels der die Beute-Katze im Nackengriff festhält. Wenn deine Katze dann erstarrt, liegt das daran, dass sie Angst hat, nicht, weil sie sich nicht mehr bewegen kann.) Übergriffigkeit beginnt oft schon viel früher - im ganz normalen Alltag.
Das Mikro-Grenzen-Austesten: Halte deiner Katze vorsichtig deine Hand vor die Nase. Reibt sie ihre Lefze daran? Perfekt - sie sucht Kontakt zu dir. Zieht sie jedoch den Kopf zurück und lässt ihre Vibrissen nah am Gesicht? - Dann ist das ein klares Nein. Diese Signale sollten nicht nur im Training bedacht werden sondern auch im ganz normalen Alltag.
Akute Überforderung: Wenn deine Katze faucht, dann heißt das erst mal nur "Halt Stopp!". Das sind weder Aggressionen, noch eine unfreundliche Kommunikation. In der Katzensprache ist das völlig normal und unbedenklich, wie ein einfaches "Nein". Wenn du jetzt aber die Grenze überschreitest, lernt deine Katze nur, dass ihre Grenzen nicht respektiert werden und sie greift eventuell zu anderen Methoden und fängt an zu Kratzen oder zu Beißen.
Die Maske der unentdeckten Schmerzen
Zu dem ganzen Katzen Transportbox und Medical Training kommen oft auch noch akute Schmerzen hinzu. Wenn deine Katze bereits Gelenkschmerzen hat und du durch Medical Training sie an den bestimmten Schmerzpunkten berührst, kann es passieren, dass ihr Verhalten plötzlich von neugierig auf aggressiv umschlägt. Wir Verhaltensberater:innen nutzen zur Schmerzerkennung wissenschaftliche Werkzeuge wie die Feline Grimace Scale (Schmerzen bei deiner Katze erkennen).
Eine Katze die unter Schmerzen leidet, hat eine drastisch herabgesetzte Reizschwelle. Der Druck an den Pfoten, das ruckartige Anheben oder die Enge der Box erzeugen reale Stress- und Schmerzpunkte bei deiner Katze. Die Panik ist dann kein rein psychisches Problem mehr, sondern physische Notwehr.
Was verändern? Warum das System rundherum mitentscheidet
Wir erziehen deine Katzen nicht um, wir passen ihr System an. Und dieses System besteht aus einer Vielzahl an Variablen. Von der Bauart der Box über den Belohnungswert der Leckerlis bis hin zum Grunderregungsniveau in deinem Wohnzimmer.
Wenn du ungeeignete Transportboxen nutzt, die du dann nur einmal im Jahr aus dem muffigen Keller herausholst, scheitert jedes Training im Ansatz. Wenn die Belohnungen für deine Katze keinen echten Mehrwert hat, bleibt die Motivation in Grenzen oder sogar ganz aus. Wir müssen die Umwelteinflüsse so gestalten, dass das gewünschte Verhalten, dass deine Katze zeigt, zur logischsten und sichersten Option wird.
Lösung: Katzen Transportbox und Medical Training Anleitung
Transportbox und Medical Training sind keine unerreichbarer Sterne, sondern reine angewandte Verhaltensbiologie. Hier habe ich für dich eine systematische Anleitung erstellt, die du an deine Katzen individuell anpassen musst.
Clicker Training
Clicker Training ersetzt dein mündliches "fein gemacht" Sekunden genau. Während unsere Worte viele Emotionen mit sich bringen kann und immer unterschiedlich sein kann, ist ein Click immer gleich. Zusätzlich - wenn man es richtig macht - ist ein Clicker viel genauer und du kannst viel präziser den Moment, den du willst, festhalten.
Wichtig: Denke daran, dass erst ein Click kommt bevor deine Hand zu einem Leckerli greift, da deine Katze sonst auf deine Handbewegung schaut und nicht auf den Clicker hört.
Baustein 1: Transportboxen Training & 2 Boxen Strategie
Die Transportbox muss vom Bedrohungsobjekt zum vertrauten Schlafplatz und Stück zuhause im Alltag werden.
Dauerhafte Integration: Die Box sollte immer fest im zuhause verankert sein. Egal ob im Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Büro. Dort wo deine Katzen sich am liebsten aufhalten, gehört sie als Schlafplatz hin - gemütlich, gepolstert und einladend.
Die 2 Boxen Strategie: Besorge für das Training eine völlig neue Box, die deine Katze noch nie mit Schmerz oder Angst verknüpft hat. Die alte Box bleibt für Notfälle im Hintergrund stehen. So kannst du, bevor das Training beendet ist, immer noch deine Katze Transportieren, ohne deinen Fortschritt im Training zu ruinieren. Dennoch sollte die alte Box ebenfalls als Schlafplatz hingestellt werden, um sie wenigstens etwas attraktiver und sicherer zu machen.
Kein Zwang, sondern Freiwilligkeit: Belohne jedes Interesse an der Box. Ein Blick, ein Schnuppern, vorbei Gehen oder sogar Reingehen. So zeigst du ihr erst mal, dass die Box okay ist.
Baue ein Folgen-Training auf: Sorge dafür, dass deine Katze deinem Finger folgt. Mit Clickertraining funktionieren die meisten Training Einheiten am schnellsten. Sobald deine Katze dem Finger folgt, kannst du sie dadurch zur Box führen und sie wieder Belohnen, sobald sie mit zur Box geht. So kannst du das Folgen auch später in die Box lenken und dort direkt Belohnen.
Sitzen bleiben: Deine Katze sollte lernen sich nach dem Folgen, mit einem bestimmten Signal hinzusetzen. Das kann ein Handzeichen oder ein Wort sein. So kann deine Katze sich nach dem Folgen in die Box setzen und dort abwarten.
Box schließen: Nun solltest du vorsichtig testen, wie weit du die Box schließen kannst. Wird deine Katze nervös oder peitscht mit dem Schwanz? Gehe lieber einen Schritt zurück. Es soll alles ganz entspannt und nachhaltig aufgebaut werden.
Box anheben: Es an der Zeit, deiner Katze zu zeigen, dass du die Box anheben musst. Hebe sie erst mal nur 1cm hoch, belohne und setze sie anschließend wieder ab. Nach einer Zeit verlängerst du die Dauer und hebst die Box immer höher. So lernt sie, dass es wackelig wird, jedoch alles völlig in Ordnung ist.
Baustein 2: Autofahrt Training
Mit der Box vor die Tür: Sobald deine Miez alle vorherigen Schritte kann, sollte sie lernen, dass du mit der Transportbox - mit deiner Katze drin, versteht sich - vor die Türe gehst. Für manche Katzen reicht es schon aus, wenn du die Schuhe anziehst oder den Schlüssel der Tür umdrehst. Trainiere diese Schritte langsam und so detailliert wie möglich.
Auf dem Weg zum Auto: Auch der Weg zum Auto kann unter manchen Umständen sehr stressend für deine Katze sein. Bei manchen muss die Miez erst an einer stark befahrenen Straße vorbei, bei manchen könnte es ein Spaziergänger mit Hund sein, wiederum bei manchen könnten es spielende Kinder im Innenhof sein. Wichtig ist, wenn diese Faktoren häufiger vorkommen, solltest du diese Schritte ebenfalls trainieren.
Auto Training: Tür auf und zu können zusätzliche Faktoren beim Stresslevel deiner Katze sein. Achte darauf, die Tür nicht zu fest zu zuknallen, sondern lieber sanft zu zudrücken. Genauso wie das Starten und das Fahren. Beim Fahren solltest du dich auf die Zeit konzentrieren. Erst vielleicht mal 5 Minuten und mit der Zeit dann Schritt für Schritt erhöhen.
Baustein 3: Resilienz aufbauen & Stresslevel sinken
Hat deine Katze sowieso ein hohes Stresslevel und ist schnell ängstlich oder gereizt? Dann solltest du auch im Alltag anfangen die Resilienz zu stärken und das Stresslevel zu sinken.
Wohngestaltung bei hohem Stress
Die Wohngestaltung kann eine wichtige Rolle beim Stress deiner Katze spielen. Zu wenig Ressourcen wie Schlafplätze, Kratzstellen, Kletterparks und co. aber auch Katzenklos, Spielzeug und Beschäftigung mit dir, können stressend sein.
Resilienz aufbauen
Resilienz kannst du zum Beispiel durch Clickertraining aufbauen, in dem du kleinere Ängste deiner Katze löst. Sei es die Angst bei Besucher:innen, die Klingel oder der Staubsauger. Sobald du ihnen diese Angst genommen hast, werden Katzen schon automatisch ein klein bisschen selbstbewusster. Zusätzlich kannst du dann noch Selbstbewusstseinstraining machen. Zum Beispiel durch Kooperationstraining oder Free Shaping.
Genauso gut kannst du auch Entspannungstrainingseinheiten aufbauen. Damit deine Katze durch ein bestimmtes Signal in einer stressigen Situation Ruhe bewahren kann.
Baustein 4: Medical Training
Medical Training ist dazu da, deiner Katze bestimmte Handlungen die bei Tierärzt:innen durchgeführt werden, schon zuhause als völlig normal bei zu bringen. Sei es Augentropfen geben, Halskrause tragen, Abtasten, ins Maul sehen oder Festhalten. Wenn du jede Trainingseinheit zuhause schon durch trainiert hast, wird deine Katze es deutlich einfacher haben.
Training festhalten mit PetAct
Um deine Trainingsfortschritte zu dokumentieren, empfehle ich dir PetAct. Denn: Verhaltensänderungen passieren nicht einfach über Nacht. Sie passieren schleichend, ohne, dass du es wirklich merkst. Damit du den Überblick nicht verlierst und gerade im Mehrkatzenhaushalt mehrere Katzen mit verschiedenen Trainingseinheiten abholst, ist die App ein absolutes MUSS! Du siehst genau bei welchem Fortschritt du bist und wie sich die Reizschwelle deiner Katze Woche für Woche verbessert.
Solltest du irgendwann mal an dem Punkt angelangen und professionelle Hilfe benötigen - egal ob Katzenverhaltensberater:innen, Katzenernährungsberater:innen oder Tierärzt:innen, kannst du diese Fortschritte einfach als Datei herunterladen, ausdrucken und deiner Katzenverhaltensberater:innen zeigen. Das spart wertvolle Zeit bei der Ursachenanalyse!
Lade dir jetzt hier die App kostenlos herunter:
Hilfsmittel fürs Training
Deine Katze ist so extrem ängstlich oder aggressiv, sodass du nicht mehr weiter weißt? Dann können zusätzlich auf Hilfsmittel wie Zylkene* oder Pheromonsprays* helfen. Dies sind zum Teil Nahrungsergänzungsmittel, die du einfach übers Futter streuen kannst. Denke jedoch dran, sie dienen nur als Unterstützung und ersetzten KEIN richtig gemachtes Training.
In manchen extremeren Fällen und Notsituationen, kann es jedoch helfen sich bei Tierärzt:innen nach Beruhigungsmitteln zu erkundigen.
Der unterschätzte Faktor: Warum du eine Cat Friendly Praxis brauchst
Du kannst Wochen und Monate lang trainieren, wenn deine Katze in die Praxis kommt und mit einem Nackengriff aus der Box gezerrt wird, oder von Hunden im Wartebereich direkt angebellt wird, ist dein gesamtes Training für den Arsch. Ja, richtig gelesen. Es bringt einfach nichts, dass ganze schön zu reden.
Achte penibel darauf, wo du dein Tier hinbringst, auch, wenn die dortigen Menschen in der Praxis alle nett waren. Es arbeiten ja nicht alles böse Menschen dort. Aber es macht für deine Katze einen großen Unterschied, ob sie getrennte Wartebereiche für Hunde und Katzen hat, bei dem der größte Stressfaktor (Hund) schon mit eingerechnet ist, deine Katze nicht mehr im Nackengriff gehalten wird oder deine Katze auf rutschfestem Untergrund untersucht wird.
Denn viele Trauma werden leider durch die Behandlungen in der Praxis ausgelöst, noch nicht mal unbedingt von der Box oder der Autofahrt.
Immer mehr Praxen und Kliniken entscheiden sich dazu, die Praxis Katzengerecht zu gestalten. Denn weniger Stress bedeutet auch schnellere und bessere Genesung.
Fazit
Die Angst vor der Transportbox ist kein unumstößliches Schicksal, sondern ein komplexes Zusammenspiel und der Systemanpassung deiner Katze. Du achtest auf ihr Nervensystem, Umwelteinflüsse und Vorerfahrungen und entscheidest dann, wie du Trainingseinheiten angehen solltest.
Du merkst beim Lesen, wie viele Stellschrauben du bei deiner Katze hast und bist überfordert wie du was als erstes angehen sollst? Du musst diesen vielschichtigen Weg nicht alleine durchgehen.
Sichere dir einfach mal ein kostenloses Erstgespräch und wir schauen uns gemeinsam die nächsten Schritte bei deiner Katze an.
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