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Übergewicht bei Katzen erkennen

  • vor 22 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Auf Social Media werden Katzen, die „chonky" sind gefeiert und als süß befunden. Doch die Realität in der Tierarztpraxis sieht düster aus. Fast jede zweite Hauskatze ist mittlerweile zu dick. Was viele Halter:innen als „gemütlich" abtun, ist in Wahrheit eine schleichende Vergiftung des Organismus.

Als Katzenernährungsberaterin habe ich laufend mit übergewichtigen Katzen zu tun.


Übergewichtige Katze


Wenn „gut gemeint“ krank macht


Übergewicht bei Katzen ist kein optisches Makel und erst recht nicht „süß". Es ist ein schwerwiegendes gesundheitliches Problem, das die Lebensqualität deiner Katzen massiv einschränkt.


Wir müssen aufhören, übergewichtige Katzen - die sich teilweise nicht mal mehr selbst putzen können oder es nicht schaffen einen Kratzbaum hochzuspringen - als niedlich anzusehen.

Diese Tiere leiden.


Übergewicht entsteht oft aus falsch verstandener Zuneigung. Die Katze bettelt und bekommt ein Leckerli oder noch bisschen mehr Futter - sonst wäre sie ja beleidigt. Aber genau hier liegt das Problem. Alles, was Katzen „zusätzlich“ bekommen, kann schwerwiegende Folgen haben, wenn Übergewicht entsteht. Jedes Gramm zu viel auf den Rippen ist eine Belastung für Herz, Leber, Gelenke und den gesamten Organismus.


Körperfett ist kein harmloser Energiespeicher für „schlechte Zeiten“ - schon gar nicht bei Katzen.

Fettgewebe ist ein hormonell aktives Gewebe, das den Stoffwechsel manipuliert.


Fettzellen produzieren sogenannte Adipokine. Das sind Botenstoffe, die im Körper Entzündungsprozesse befeuern. Das Immunsystem ist im Dauereinsatz, um gegen diese „Angriffe" anzukämpfen. Dadurch verschleißt der gesamte Organismus schneller. Das Herz muss gegen den erhöhten Widerstand im Gewebe anpumpen, die Lunge bekommt durch die Fettmassen weniger Raum zur Entfaltung, und die Bauchspeicheldrüse kapituliert irgendwann vor der ständigen Insulinresistenz.



Die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht bei Katzen


Diabetes Mellitus

Das Fettgewebe sorgt für eine Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldrüse pumpt und pumpt, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren, bis sie „ausbrennt“.


Arthrose und Gelenkverschleiß

Wenn 6 oder 7 kg auf Gelenke drücken, die für (durchschnittlich bei einer EKH) 4-5 kg ausgelegt sind, ist der Knorpelverschleiß vorprogrammiert.

Schlimmer noch: Die Entzündungsstoffe aus dem Fettgewebe greifen die Gelenke zusätzlich an. Übergewichtige Katzen spielen nicht weniger, weil sie „faul" sind - sie spielen nicht, weil sie Schmerzen haben.


FLUTD

Übergewichtige Katzen neigen statistisch viel häufiger zu Harnwegserkrankungen und Blasensteinen. Sie bewegen sich weniger, gehen seltener aufs Klo und können sich oft nicht mehr ordentlich am Hintern putzen. Bakterielle Infektionen und schmerzhafte Entzündungen sind daher die Folge.


Atemnot und Herzbelastung

Fett drückt auf das Zwerchfell und schränkt das Lungenvolumen ein. Das Herz muss Schwerstarbeit leisten, um die massiven Fettgewebe mit Blut zu versorgen. Übergewichtige Katzen sind kurzatmig und haben auch eine deutlich geringere Narkoseverträglichkeit - jeder notwendige Eingriff wird damit zum Hochrisiko.


Hepatische Lipidose

Wenn übergewichtige Katzen - etwa wegen einer anderen Krankheit oder Stress - das Fressen einstellen, mobilisiert der Körper bereits nach nur 24 Stunden massiv Fettreserven.

Die Leber wird von diesem Fett regelrecht überschwemmt und versagt daher. Ohne tierärztliche Behandlung endet die Leberverfettung fast immer tödlich.



Wie du Übergewicht bei deinen Katzen erkennst - Vergiss die Waage allein!


Nicht das Gewicht alleine sagt aus, ob deine Katzen unter-, über- oder idealgewichtig sind. Richtwerte (4-5 kg bei einr EKH) sind am Ende des Tages nur genau das: Richtwerte. Was eine sehr wichtige Rolle spielt, ist die Statur. Dazu verwenden wir den Body Condition Score.


Schau dir die folgende Grafik an und fahre deinen Katzen einmal über die Rippen:


Body Condition Score Voll Verplüscht


So liest du die Grafik richtig

Stufe 1-4 (Untergewicht): Hier fehlen die nötigen Reserven. Rippen und Beckenknochen stechen deutlich hervor.


Stufe 5 (Idealgewicht): Das Ziel für jede Katze. Die Rippen sind nicht sichtbar, aber problemlos ertastbar. Von oben ist eine Taille erkennbar.


Bereich 6-9 (Übergewicht bis Adipositas): Ab Stufe 6 beginnt das Risiko. Bei Stufe 9 sind die Rippen unter einer dicken Fettschicht nicht mehr zu spüren und die Taille ist komplett verschwunden.


Sei ehrlich: In welcher Spalte hast du deine Katzen gerade wiedergefunden?

Wenn du bei 6-9 gelandet bist, ist es Zeit zu handeln - nicht aus ästhetischen Gründen, sondern um die Lebensqualität deiner Katzen zu verbessern.




Häufige Auslöser für Übergewicht bei Katzen


Es ist selten die Genetik und fast nie „schwere Knochen". Übergewicht entsteht durch eine positive Energiebilanz: Die Katze nimmt mehr Energie auf, als sie verbraucht.


  1. Man meint es zu gut: Man gibt den Katzen eine zusätzliche Portion Futter oder ein paar Leckerlis, weil sie doch so süß betteln und ma es ihnen nicht unterschlagen möchte.

  2. Zu viele Leckerlis: Die Kalorien von „kleinen“ Snacks werden massiv unterschätzt. Ein kleiner Stick hier, ein paar Leckerlis da und hier ein Stück Wurst oder Käse. Kurzer Reality-Check: Ein Stück Käse (ca. 10g) für eine 4 kg Katze entspricht etwa zwei Cheeseburgern für einen erwachsenen Menschen.

  3. Trockenfutter: Es ist extrem energiereich - eine Handvoll davon enthält oft so viele Kalorien wie mehrere Dosen hochwertiges Nassfutter. Als Beispiel: Etwa 100 g Trockenfutter entsprechen ungefähr der 4-fachen Menge an Nassfutter. Das bedeutet also, dass die Katze am Tag viel mehr Energie aufnimmt als sie tatsächlich braucht - und zwar ohne in der Menge mehr zu fressen.




  1. Bewegungsmangel: Wenn die einzige Aktivität am Tag der Gang von der Couch zum Napf ist, setzt jede überschüssige Kalorie sofort an. Essen wird hier zum Ersatz für fehlende kognitive und körperliche Auslastung. Wenn man als Halter:in seine Katzen körperlich (z.B. durch Spielen) nicht auslastet, kann das auch zu „Fressen aus Langeweile“ führen.



Der Kastrations-Mythos


„Durch eine Kastration werden Katzen dicker“ - das hast du bestimmt schon mal gehört. Das stimmt so aber nicht. Die Kastration ist nicht die Schuldige, sondern die mangelnde Anpassung der Fütterung.

Ja, die Kastration verändert den Hormonhaushalt. Der Energiebedarf sinkt, der Appetit steigt gleichzeitig. Wer nach der Kastration die Futtermenge nicht entsprechend anpasst, sieht seine Katzen innerhalb weniger Monate „aufgehen“.



Die Urwampe


„Das ist kein Fett, das ist ihre Urwampe!" - Diesen Satz höre ich als Ernährungsberaterin regelmäßig.

Und ja, es stimmt: Es gibt sie. Aber sie ist kein Freifahrtschein für Übergewicht.


Die Urwampe ist ein loser Hautlappen am Unterbauch, kurz vor den Hinterbeinen. Er ist ein evolutionäres Überbleibsel und hat zwei wichtige Funktionen:


1. Schutz: Bei Kämpfen schützt die lockere Haut die empfindlichen Organe im Bauchraum.

2. Beweglichkeit: Sie erlaubt der Katze, sich beim Sprung oder im Vollsprint maximal zu strecken.


Der entscheidende Unterschied: Haut vs. Fett

Der größte Fehler vieler Halter:innen ist es, Fettansammlungen am Bauch als Urwampe abzutun. So unterscheidest du sie:


Die Urwampe besteht fast nur aus Haut und Bindegewebe. Wenn die Katze läuft, schwingt sie locker hin und her (man nennt sie auch „Pendelbauch"). Wenn du sie anfasst, spürst du keine feste Füllung, sondern nur weiche Hautschichten.


Bei Übergewicht ist bei dem „Fettbauch“ der Lappen prall gefüllt.
Er schwingt nicht locker, sondern wackelt schwerfällig. Wenn du reingreifst, spürst du eine deutliche Fettschicht, die sich fest und teigig anfühlt.


Eine Katze kann eine Urwampe haben und trotzdem idealgewichtig sein. Aber wenn die Rippen nicht mehr tastbar sind und die Taille von oben fehlt, dann ist das, was da am Bauch hängt, schlichtweg Speck - egal, wie sehr man es anatomisch rechtfertigen will.



Warum „einfach weniger Futter“ nicht zu einer gesunden Abnahme führt


Viele Halter:innen erkennen das Übergewicht ihrer Katzen und reduzieren schlicht die Futtermenge. Tu das nicht. Das kann für Katzen ein Todesurteil sein.

Das kann zum einen zur hepatischen Lipidose (wie vorhin erklärt) und zum Anderen zu einem Hungerstoffwechsel führen, wodurch man erst recht keine Abnahme erzielt. Was genau das ist, hab ich in diesem Blog genauer erklärt:




Deine Verantwortung als Halter:in


Wir Menschen neigen dazu, Zuneigung zu unseren Katzen durch Essen auszudrücken. Was an sich auch vollkommen verständlich ist. Das Problem dabei? Deine Katzen unterscheiden nicht zwischen „Ich liebe dich" und „Hier hast du 50 Extrakalorien".

Sie lernen lediglich: Betteln lohnt sich.


Futter ist kein Ersatz für Aufmerksamkeit

Oft füttern wir unsere Katzen aus einem schlechten Gewissen heraus - weil wir zu wenig Zeit mit ihnen verbracht haben oder den ganzen Tag außer Haus waren.


Deine Aufgabe: Bleib hart. Egal, wie sehr sie betteln.

Versteh mich nicht falsch: Es geht nicht darum, deine Katzen zu quälen. Es geht darum, ihnen ein Leben ohne Gelenkschmerzen und sonstigen gesundheitlichen Problemen zu ermöglichen. Wahre Liebe bedeutet, auch mal „Nein" zu sagen.



Die Strategie zum Idealgewicht


1. Qualität vor Quantität: Weg mit dem Trockenfutter. Hochwertiges Nassfutter oder BARF ist der Schlüssel. Es sättigt besser und liefert die nötigen Nährstoffe, damit deine Katzen Fett verlieren und keine Muskelmasse.

2. Die Küchenwaage ist Pflicht: Hör auf, die Menge mit dem Augenmaß zu schätzen. Jedes Gramm zählt. Wir streben einen Gewichtsverlust von maximal 1 bis 2 % des Körpergewichts pro Woche an. Bei einer 6 kg Katze sind das gerade einmal 60 bis 120 g.

3. Bewegung spielerisch erzielen: Übergewichtige Katzen joggen nicht. Nutze den Jagdtrieb. „Futter-Erarbeitung" ist das Zauberwort:
Fummelbretter, Clickertraining oder das Werfen von Futter quer durch den Flur sorgen für verbrannte Kalorien und mentale Auslastung.

4. Geduld ist keine Option, sondern Voraussetzung: Eine gesunde Gewichtsabnahme dauert Monate, nicht Wochen. Deine Katzen sind nicht innerhalb von 2 Wochen übergewichtig geworden, also kann man auch nicht erwarten, dass sie in 2 Wochen wieder schlank sind.



Du musst da nicht alleine durch!


Den Weg von der Chonk-Katze zurück zur fitten und agilen Katze zu gehen, erfordert Disziplin und einen klaren Plan. Es ist ein Marathon, kein Sprint. Wenn du unsicher bist, wie du deine Katze optimal auf Diät setzt, ohne gesundheitliche Schäden zu riskieren: Melde dich bei mir. Dafür bin ich als Katzenernährungsberaterin da. Ich erstelle dir einen gezielten Fahrplan, der zu deinem Alltag und den Bedürfnissen deiner Katzen passt.


Ein gesundes Gewicht ist das größte Geschenk, das du deiner Katze machen kannst.

Fang heute damit an.



Mein Parade-Beispiel: Hilton

Hilton ist der Kater einer meiner Kund:innen - früher hätte er sich am Liebsten von Leckerlis ernährt. Ganze 7,2 kg hat er auf die Waage gebracht. Seitdem sie in meiner Beratung sind hat Hilton auf 5,9 kg abgespeckt und ist dabei viel agiler und aktiver geworden.


Diät Katze Fortschritt

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