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Tierische Nebenerzeugnisse - Freund oder Feind?

  • vor 20 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Hast du schon mal eine Katze gesehen, die in der Natur nur das Filet aus einer Maus herauslöst und den Rest liegen lässt? Nein? Ich auch nicht!


Katzen fressen Beutetiere - und zwar fast komplett. Dazu gehören unter Anderem Herz, Magen und Leber. Das sind alles „tierische Nebenerzeugnisse“. Das Problem ist also nicht das Wort an sich, sondern das, was die Futtermittelindustrie daraus gemacht hat.


Ich bin Verena und als Katzenernährungsberaterin erkläre ich dir ganz genau, was eigentlich in deiner Futterdose steckt und warum „tierische Nebenerzeugnisse“ nicht automatisch schlecht sind.


Katze

Die gesetzliche Grauzone: Was darf eigentlich rein?


In der EU ist genau geregelt, was als „tierische Nebenerzeugnisse" deklariert werden darf. Das Problem: Die Kategorie ist riesig.


Sie umfasst grundsätzlich alle Teile vom Tier, die bei der Schlachtung anfallen, für den menschlichen Verzehr aber nicht vorgesehen sind oder es ganz einfach keine Abnehmer dafür gibt.


Die Beschreibung klingt jetzt erstmal schlicht nach „Resten“.

Man muss aber unterscheiden: Das reicht von nährstoffreichen Organen bis hin zu völlig unverdaulichem Abfall.


Unter den Begriff fallen unter Anderem:


  • Hochwertige Innereien wie Herz, Leber und Magen, die vollgepackt sind mit Nährstoffen und für Katzen biologisch sinnvoll sind

  • Minderwertige Schlachtabfälle wie Borsten, Schnäbel, Federn oder Hufen, die für eine Katze ungefähr so nahrhaft sind wie ein Stück alter Lederstiefel


Rechtlich ist beides erlaubt. Der Gesetzgeber erlaubt es den Herstellern, diese völlig unterschiedlichen Qualitäten unter einem einzigen, schwammigen Begriff zusammenzufassen. Ob im Futter also wertvolle Nährstoffe oder schwer verdauliche Reste stecken, verrät dir das Wort „Nebenerzeugnisse" allein leider nicht.


Klingt nach Horror? Leider ist das für viele Katzen Alltag. Wenn du keine Lust mehr auf Rätselraten hast und wissen willst, ob dein Futter Schrott oder Goldschatz ist:





Warum wir tierische Nebenerzeugnisse aber nicht komplett verteufeln dürfen - und warum reines Muskelfleisch sogar gefährlich wäre


Vorhin hab ich es schon kurz angeschnitten - keine Katze frisst nur das reine Muskelfleisch einer Maus. Wäre unser Futter also zu 100 % aus Muskelfleisch, würden wir unseren Katzen keinen Gefallen tun.

Im Gegenteil: Sie bekämen in kürzester Zeit massive Mangelerscheinungen.

Warum? Muskelfleisch alleine hat ein extrem schlechtes Calcium-Phosphor-Verhältnis und liefert kaum Vitamine. Außerdem enthält es kein - für Katzen lebensnotwendiges - Taurin.


Innereien

Die natürliche Beute von Katzen enthält unterschiedliche Innereien. Innereien, die wir definitiv im Futter haben wollen, sind beispielsweise Herz (natürlicher Taurinlieferant - vor Allem Lammherz) und Leber (liefert Spurenelemente und Vitamine wie Kupfer, Molybdän, Vitamin A, Vitamin B1, Vitamin B5, Vitamin D, Vitamin K, Folsäure und Biotin)


Generell kann man sagen, dass Organfleisch ein wichtiger Nährstofflieferant ist.


Es gibt aber auch Innereien, die wir nicht haben wollen.

Dazu zählt stark bindegewebiges Fleisch, wie Schlundfleisch, Euter und Pansen - liest du das auf der Dose, solltest du darauf verzichten, da diese Anteile für Katzen sehr schwer verdaulich sind.



Warum haben tierische Nebenerzeugnisse so einen schlechten Ruf?


Ganz einfach: Weil die Industrie den Begriff als Freifahrtschein nutzt, um Dinge in die Dose zu packen, die eigentlich in den Müll gehören.


In der Futtermittelverordnung gibt es nämlich eine „dunkle Liste". Das sind Stoffe, die zwar vom Tier stammen und rechtlich als Nebenerzeugnisse durchgehen, aber für deine Katzen absolut wertlos sind.

Hier wird gerne getrickst, um den Proteingehalt künstlich zu erhöhen. Proteine sind zwar wichtig für Katzen, aber viel Protein bringt den Katzen nichts, wenn sie es nicht verdauen können.


Was noch unter „tierische Nebenerzeugnisse“ fällt und was wir definitiv nicht haben wollen:


  • Federn, Schnäbel und Klauen: Bestehen fast vollständig aus Keratin. Ungefähr so nahrhaft wie eine Plastiktüte.

  • Wolle, Borsten und Hufe: Dienen lediglich dazu, die Dose vollzumachen und den Preis zu drücken.

  • Bindegewebsreiche Reste wie Sehnen und Knorpel: In kleinen Mengen okay, aber in großen Mengen führen sie zu Verdauungsproblemen.



Das Problem dabei ist nicht nur, dass deine Katzen nie wirklich satt werden und nur schlecht verwertbare Nährstoffe bekommen, sondern das kann sich auch ordentlich auf die Gesundheit auswirken.


Katze wird gestreichelt

Der Deklarations-Check


Wenn der Hersteller seine „tierischen Nebenerzeugnisse“ nicht weiter deklariert und wir somit nicht wissen können, was enthalten ist, solltest du Abstand davon halten. Das nennt sich auch „geschlossene Deklaration“.


Hierzu ein Beispiel:


Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon

4% Huhn), Getreide, Mineralstoffe.


Der 4 %-Mythos

„Davon 4 % Huhn“ bedeutet nicht, dass im Futter nur 4 % Fleisch enthalten sind. Der tatsächliche Fleischgehalt ist höher, wird aber nicht genauer angegeben.


Was sind die restlichen 96%? Wissen wir nicht. Und glaub mir: Wenn ein Hersteller hochwertige Innereien verwendet, würde er es draufschreiben, um einen hochwertigen Eindruck zu verschaffen. Wenn er es verschweigt, hat er einen Grund dafür.


Offene Deklaration


Gans (95%, davon ca. 75% Brustfleisch, ca. 5% Hals, ca. 5% Herz, ca. 5% Karkasse, ca. 5% Leber), Vitamine & Mineralstoffe (2%), Kürbis (1,5%), Kokosflocken (1,5%)


Hier sehen wir ganz genau, was im Futter drinnen ist - so sollte das aussehen!



Worauf du beim nächsten Futterkauf achten solltest


  1. Sammelbegriffe: Je ungenauer (Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse), desto billiger die Rohstoffe.

  2. Fehlende Prozentangaben: Wenn nicht dabeisteht, wie viel von was drin ist, wird meistens bei den hochwertigen Zutaten gespart.

  3. Pflanzliche Nebenerzeugnisse: Das sind Abfälle aus der Pflanzenverarbeitung – unter anderem Gemüseabfälle aus der Gastronomie und der Herstellung von Convenience-Food, Schalen von Hülsenfrüchten, zum Teil aber auch Abfall aus der Stroh- und Holzverarbeitung. Das hat in einer Katze absolut gar nichts verloren.



Beute füttern, keinen Abfall!


Tierische Nebenerzeugnisse sind also weder der Teufel noch ein billiger Trick - sie sind die Basis einer gesunden Katzenernährung.

Aber eben nur dann, wenn wir über hochwertige Innereien sprechen und nicht über Industrie-Abfälle.



Du bist unsicher, was wirklich im Napf deiner Katze landet?


Die Theorie klingt logisch, aber im Alltag vor dem Regal sieht die Welt oft anders aus.

Wenn du:


... den Deklarations-Dschungel leid bist,

... Katzen hast, die bei jedem Futter die Nase rümpfen,

... oder einfach sichergehen willst, dass deine Katzen alles bekommen, was sie für ein langes, gesundes Leben brauchen,


dann lass uns reden.


Gemeinsam finden wir heraus, welches Futter wirklich hält, was es verspricht, und wie wir die Ernährung optimal auf deine Bedürfnisse und die deiner Katzen anpassen.



 
 
 

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